2014 – 2016 Kanada

Churchill Projekte 2014-2016

Nach Gründung der Stiftung MENSCHEN für EISBÄREN  in 2011 und einem konsequent beginnenden, eigenen  Fundraising Konzept des Stiftungsvorstandes,  wäre es bereits in 2014 möglich gewesen, die ersten Projektvergaben zu begleiten. Dies ist umso erfreulicher, zumal nach geltendem Stiftungsrecht erst in 2015 die ersten Gelder zweckgebunden hätten vergeben werden müssen. Aber um es gleich vorweg zu nehmen. Es ist schon schwer genug, hierzulande ein schlagkräftiges Fundraising und Bewerben der Spenden zu organisieren. An dieser Stelle möge sich der Leser bitte fragen, ob es grundsätzlich im Stiftungsgeschäft schwieriger ist, Geld für einen internationalen Stiftungszweck einzunehmen oder Gelder für Projekte zweckgebunden auszugeben.

Vorstand und Kuratorium hatten sich zeitnah mit der Projektauswahl sehr intensiv auseinandergesetzt. Schnell war klar, dass als erstes Projekt eine Maßnahme direkt im Lebensraum des Eisbären unterstützt werden sollte.

Die beiden Stiftungsvorstände Volker Henrich und Andreas Gräf unternahmen deswegen bereits im Jahr 2012 eine rein privat finanzierte Reise nach Churchill/Manitoba/Canada. Churchill gilt weltweit als die Welthauptstadt des Eisbären. Die unmittelbar dort vor Ort geführten Gespräche mit den Verantwortlichen des  Science Centers sowie des Wapusk National Parks  konnten effektiv  genutzt werden,  um ein geeignetes Erstprojekt zu finden, womit sich auch die Stiftungsverantwortlichen einstimmig identifizieren konnten.

In enger Kooperation mit dem in Churchill/Canada ansässigen halbstaatlichen Northern Studies Centre sowie der Leitung des dort ansässigen Wapusk Nationalparks und dem Projekt von Carrie Hunt, standen direkt mehrere Projekte zur Auswahl, die zu 100% in den Stiftungszweck fielen. Diesbezüglich hatte der Stiftungsvorstand auf eine unabhängige und örtliche  Ausschreibung durch das Northern Science Centre zur monetären Unterstützung aus Stiftungsmitteln für lokale Projekte mit Fokus auf den Erhalt der Eisbären in Auftrag gegeben. Konkret standen zum Beispiel  folgende Projektbeteiligungen an:

a) Im Wapusk Nationalpark (in der Größe von Hessen, Baden-Württemberg und Bayern zusammen) befindet sich beispielsweise die weltweit größte Ansammlung von Eisbärenhöhlen, wo alljährlich Jungtiere (Cubs) zur Welt gebracht werden. Hier standen Beteiligungen an Jungtierinvestitionen (benötigtes Equipment) zur Disposition.

b) Ebenfalls hat sich das Projekt und die Gespräche mit/von Carrie Hunt aufgrund der Einfachheit sowie der klaren Zielsetzungen für eine grundsätzliche Unterstützung angeboten. Durch die konstante Erwärmung  und der Abnahme der Eisflächen verbringt der Eisbär immer weniger Zeit im ewigen Eis und  mehr Zeit in der Nähe von Menschen, den dortigen Anwohnern. Hieraus resultiert  eine viel häufigere  Anzahl von „Zusammentreffen“ der Eisbären und Menschen als früher, was Konfliktpotential für beide Parteien mit sich bringt. Hunt’s Projekt erschien uns als ein Projekt zum Anfassen. Es versucht,  das Verhalten der Eisbären zu beeinflussen, natürlich  ohne sie dabei zu verletzen mit dem Ziel,  dass diese nicht mehr die Nähe von Menschen aufsuchen. Hierzu überträgt sie einen Ansatz,  der  bereits  erfolgreich bei Grizzlybären eingesetzt wurde. Unterstützt wird sie dabei von ihren eigens für diese  Projekte  gezüchteten Hunden (www.beardogs.org).

c) Des Weiteren waren wir in engen Gesprächen mit dem halbstaatlichen Science Center in Churchill, die im Auftrag der MFE eine Sammlung von weiteren kleineren Projekten vornehmen sollte. Die entsprechenden Dokumentationsnachweise über die Verwendung der Stiftungsgelder sollten durch das Science Center transparent aus Canada an die Stiftung erbracht werden.

Wir haben bei den obigen Darstellungen bewusst ausführlich beschrieben, welche umfangreichen Maßnahmen wir sowohl vor Ort durchgeführt haben als auch in zahlreichen nachfolgenden Telefonaten. Das unschöne Ergebnis war, dass alle Organisationen und Ansprechpartner zwar kooperativ und kompetent erschienen, aber auch alle an den Anforderungen der Deutschen Stiftungsordnung letztlich gescheitert sind. Um nur ein Beispiel zu nennen: Die Erbringung von klaren Nachweisen der Bezahlung und Bezugsquellen für die Investitionen konnten schlichtweg nicht zugesichert werden. Ebenso wurden jegliche Terminvereinbarungen, die gerade in transkontinentalen gemeinsamen Projekten von höchster Priorität und Notwendigkeit sind, schlichtweg nicht eingehalten oder  die Terminvorgaben wurden  ignoriert.

Im Ergebnis führte dies dazu, das wir in letzter Konsequenz trotz bester Grundvoraussetzungen in Kanada, Projekt für Projekt abgesagt haben. Dies vor allem vor dem Hintergrund, die eigene und versprochene Leitlinie fest einzuhalten und nicht einfach Stiftungsgelder leichtfertig auszugeben. Es galt vielmehr, im Sinne unserer Spender, zunächst die eingenommenen Spendengelder bei uns zu sichern und neue, zuverlässigere Partner zu suchen.

Für die Stiftungsverantwortlichen eine ungewohnte und schwierige Situation. Wichtig war und ist uns aber, dass unserer meist in Deutschland domizilierten Sponsoren, Unterstützer, Einmalstifter, Dauerstifter und Eisbärenpaten sich stets auf eine transparenten Stiftungspolitik vollends verlassen können. An dieser Stelle war es eindeutig wichtiger, Projektgelder zunächst zu sichern und aufzusparen, um sie einem neuen passenden Projektzweck zuzuführen. Wir veröffentlichen dies so authentisch, auch als Zeichen unserer offenen Politik und Kommunikation. Aber auch als Motivation , gerichtet an die oben benannten Institute, evtl. in den kommenden Jahren ihre Haltung im internationalen Business zu überdenken, unsere Tür steht hierfür grundsätzlich offen.

Für die Stiftungsverantwortlichen geht deswegen die Projektsuche von vorne los. Wir orientieren uns weiterhin im Lebensraum der Eisbären, d.h. wir erweitern nun die Gesprächsaufnahmen in Richtung Grönland, Spitzbergen, Alaska und Russland.  

Die Schlussbotschaft heute lautet daher eindeutig: Für den Augenblick war es erst einmal wichtiger, Projektgelder NICHT auszugeben. Eben auch im Sinne der Eisbären und zur Erhaltung deren Lebensräume, unserer eigenen Leitlinie, die es konsequent einzuhalten gilt. Nicht zuletzt vor allem zur Aufrechterhaltung der Vertrauensbasis zu unseren Spendern, die wir somit geschützt haben.

 

Frankfurt am Main, im Juli 2016

Der Vorstand                                    Stiftung MENSCHEN für EISBÄREN